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Montag, der 27. März 2017
DSER

ROUND TABLE DIGITALISIERUNG III: BANKEN UND FINTECHS

In den bisherigen Round-Table-Gesprächen zur Digitalisierung standen vor allem die Chancen und Bedrohungen des digitalen Wandels sowie der bisher erreichte Umsetzungsstatus aus Sicht verschiedener etablierter Institute des Bankensektors im Fokus [i]Wie aber beurteilen FinTechs die aktuellen Entwicklungen? Welche Strategien verfolgen sie und wie wird die digitalisierte Bankenwelt 2025 aussehen? Über diese und weitere Fragen diskutierten Robert Henker (Co-Founder und CEO von Cashboard), Johann Horch (CEO von niiio), Dr. Tim Sievers (Gründer und Geschäftsführer von Deposit Solutions) sowie Dr. Tim Thabe (Gründer und Geschäftsführer) und Dr. Lukas Friedrich Lang (Vertriebsleiter) von Creditshelf mit Andreas Lukic, (Vorsitzender der Business Angels FrankfurtRheinMain), Prof. Dr.-Ing. Dr. Oec. Thomas Schildhauer (Geschäftsführender Direktor des Alexander von Humboldt Instituts für Internet und Gesellschaft) sowie mit den Partnern der Managementberatung Skubch & Company, Dr. Martin Deckert und Dr. Daniel Pehle.

die bank: Wie beurteilen FinTechs aktuell die Bankenwelt? Was kritisieren Sie an den etablierten Banken und deren Geschäftsmodell?

Thabe: Wir kommen selbst aus der Bankenwelt. Würden die etablierten Banken einen super Job machen, gäbe es uns nicht. FinTechs gibt es, weil Banken heute aus verschiedensten Gründen die Kundenseite nur lückenhaft bedienen. Die meisten etablierten Banken sind in rigiden Strukturen und veralteten Systemen gefangen und entsprechend schwerfällig. Sehr teure Prozesse in Banken führen dazu, dass Kundenbedürfnisse außerhalb dessen, was die Banken als Standard definiert haben, nicht hinreichend berücksichtigt werden können. Die Etablierten sind weder innovationsfreudig noch -fähig, da eigentlich benötigte Entwicklungsressourcen von regulatorischen Anforderungen absorbiert werden.

Lang: Für den einzelnen Manager gibt es keine Anreize, innovative Initiativen umzusetzen, und lange Entscheidungswege führen dazu, dass innovative Ansätze irgendwo versanden. Gute Ideen gibt es in jeder Bank, entweder von den Mitarbeitern selbst oder als Feedback von der Kundenseite. Wenn es an die Umsetzung geht, wird es allerdings schwierig.

Sievers: Die etablierten Spieler im Finanzmarkt beschäftigen sich häufig noch zu sehr mit den eigenen Interessen und Strukturen, statt ihr Geschäft konsequent vom Kunden her neu zu denken. Viele sehen sich gezwungen, bestehende Margen auch in Bereichen zu verteidigen, die möglicherweise nicht zukunftsfähig sind. FinTechs haben demgegenüber weder geerbte Strukturen noch Bestandsgeschäft zu berücksichtigen. Ihr großer USP ist eine radikale Fokussierung auf den Kunden und seine Bedürfnisse.


die bank:
Verkrustete Strukturen verhindern also eine bessere Kundenorientierung. Gilt diese Einschätzung nur für die technische Seite oder betrifft das auch die Kultur?

Thabe: Beides hängt zusammen. Wer in einer großen Bank einen Prozess ändern will, bekommt als erstes immer die Antwort: das geht nicht, das können wir gar nicht anders machen, weil da zig Abhängigkeiten dranhängen. Die Erkenntnis, dass man etwas ändern müsste, ist bei den Banken ja durchaus vorhanden. Die Mitarbeiter wollen Änderungen. Der Vorstand auch. Aber in der Mitte, da trifft man oft auf eine Betondecke. Und diese Betondecke müsste man aufbrechen, aber das funktioniert nicht. Wir haben unserem damaligen Arbeitgeber unsere Idee vorgestellt. Aber das hat nicht funktioniert. Man kommt da aus den unterschiedlichsten Gründen nicht wirklich weiter. Bei einer kleinen Bank oder als Fin-Tech bekommt man Innovationen viel schneller umgesetzt, weil die Entscheidungswege wesentlich kürzer sind.

Sievers:
Wo neue Angebote bestehende Produkte ersetzen, kannibalisiert Innovation ja auch ein Stück weit bestehendes Geschäft. Seine Margen zu verteidigen, ist ja erst mal logisch und rational. Auf die Erkenntnis zu setzen, dass ein „Weiter so“ nicht nachhaltig wäre und man etwaige Einbußen beim Altgeschäft durch mehr Geschäft mit neuen Angeboten überkompensieren kann, erfordert vorausschauendes Handeln und unternehmerischen Mut. Was die etablierten Banken beim Thema Digitalisierung wirklich falsch machen, ist, dass ihnen die Langfristigkeit im Ertragsdenken fehlt. In vielen Fällen ist es doch so, dass FinTechs in Kooperation mit Banken bestimmte Value Chains ein Stück weit neu strukturieren und dazu beitragen, Kosten einzusparen und neue Dienstleistungen zu schaffen.

Henker: Auch wir haben die Erfahrung gemacht, dass bei Kooperationen das Middle Management blockiert. Oft ist es doch so, dass die Banken drei, vier Leute bestimmen, die dann Projekte machen sollen. Auf dieser kleinen Gruppe landet im Prinzip die ganze Wucht der Digitalisierung. Das kann nicht funktionieren. Auffallend ist aus meiner Sicht allerdings, dass sich zumindest auf der oberen Managementebene in den vergangenen zwei, drei Jahren ein Mind Shift vollzogen hat. Als wir angefangen haben und auf der Suche nach einer Partner-Bank waren, da hat uns der Vertriebsleiter eines nicht ganz unbekannten Instituts geantwortet: „Sie glauben doch nicht im Ernst, dass wir mit Ihnen zusammenarbeiten?“ Drei Jahre später hat sich sein CEO auf einer Konferenz verwundert gezeigt, dass man sich noch niemals getroffen habe, um die Möglichkeiten einer Zusammenarbeit zu erörtern.

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Über niiio finance group AG

 Digitale Dienste für die digitale Zukunft des Bankings – darauf ist die niiio finance group AG spezialisiert. Neben dem Robo-Advisor gehören auch eine Community-Plattform und API-Banking-Tools dazu, ebenso maßgeschneiderte Beratungs- und Entwicklungsleistungen und Betriebsmodelle. Die Software-Schmiede versteht sich als Lösungspartner für Banken und Finanzdienstleister. Die hochwertigen Plug-and-Play-Angebote sind nutzerfreundlich und individuell anpassbar – und helfen, Kosten drastisch zu senken und Wettbewerbsvorteile zu realisieren.

Als Hauptaktionär der Unternehmensgruppe niiio finance group AG fungiert seit 2016 die Deutsche Software Engineering & Research GmbH (DSER). Ziel ist es, ein ganzheitliches FinTech-Ökosystem zu bieten, das Banken, Berater und Privatanleger gemeinsam in die digitale Zukunft führt. Die DSER ist bereits seit zehn Jahren erfolgreich im Markt für Portfoliomanagement-Lösungen tätig. Mit ihrem ausgefeilten Kernprodukt munio bewegen aktuell bereits ca. 70 aktive Kunden rund 40 Milliarden Euro Bestandsvolumen und verwalten rund zwei Millionen Depots.

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